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Ein Zuhause für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Der Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfs sucht Familien, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein Daheim und Unterstützung anbieten.

Seit 2015 sucht der Pflegekinderdienst im Auftrag der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe und in enger Kooperation mit der Caritas und dem Institut für Sozialdienste Familien, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) bis zur Volljährigkeit bei sich aufnehmen. Die allgemeine Flüchtlingssituation fordert alle gesellschaftlichen Kräfte zu einem gemeinsamen Wirken und zur Zusammenarbeit heraus. Neben professionellem Engagement braucht es zivilgesellschaftlichen Einsatz, um insbesondere Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern oder andere Familienangehörige nach Österreich geflohen sind, zu begleiten und zu betreuen.

Wie sieht so eine Pflegschaft aus?

Für die Aufnahme eines UMF kommen sowohl Einzelpersonen als auch Paare und Familien mit Kindern in Frage. Die interessierten Familien werden vom Pflegekinderdienst vorbereitet und lernen den Jugendlichen vor einer Vermittlung gut kennen. Erst wenn sich alle Familienmitglieder und auch der Jugendliche auf das Zusammenleben freuen, übersiedelt der Jugendliche von der Wohngemeinschaft in die Familie. Der Pflegekinderdienst steht dem Jugendlichen und der Familie weiter als Ansprechpartner zur Verfügung.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Familie muss ein eigenes Zimmer für den Jugendlichen zur Verfügung stellen können, um die Privatsphäre aller Familienmitglieder zu wahren. Neben einer offen toleranten Grundhaltung gegenüber anderen Kulturen, der Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe als Auftraggeber und anderen Fachdiensten wie der Diakonie und dem Pflegekinderdienst ist ein einwandfreier Leumund Bedingung.

Ziel ist es den Jugendlichen in seinem Integrationsprozess zu unterstützen, ihn zu beraten und zu begleiten. Durch die Aufnahme eines Jugendlichen aus einem anderen Kulturkreis lernen und erfahren Familien sehr viel Neues, Spannendes aber auch Fremdes – dazu braucht es Offenheit, Toleranz, Neugierde und manchmal auch eine Portion Gelassenheit.

Wie alt sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Schnitt?

Der Großteil der jungen Menschen waren bisher Jugendliche im Alter von 15, 16 oder 17 Jahren. Selten aber doch haben wir für 11- bis 13-jährige Buben eine Familie gesucht. Es werden nur Plätze für Buben gesucht.

Werden die Kinder/Jugendlichen psychologisch betreut?

Es dürfen keine akuten psychischen Probleme der Selbst- und Fremdgefährdung vorhanden sein. Grundsätzlich muss für jeden Jugendlichen geprüft werden, ob die Unterbringung in einer Patenfamilie die richtige Option ist. Die Entscheidung wird von der Kinder- und Jugendhilfe in Abstimmung mit der aktuell betreuenden Einrichtung und dem Pflegekinderdienst getroffen. Benötigt der Jugendliche zusätzliche therapeutische Hilfe muss geklärt werden was helfen kann und wer die Kosten trägt.

Wie verhalte ich mich als Pflegefamilie, wenn die Kinder – traumatisch belastet – sich verschließen oder „anders“ verhalten?

Wir gehen davon aus, dass Jugendliche erst langsam mit unserer Kultur vertraut werden und unsere Sprache lernen. Es braucht Zeit, bis sie sich ein Jugendlicher in einer Familie mit anderen Werten, Normen und Regeln sicher fühlt, bis er versteht, wie wir hier leben. Hilfreich ist eine klare Kommunikation und Botschaften, die Orientierung bieten und anleiten. Natürlich haben die Jugendlichen Heimweh und Sehnsucht nach ihrer Familie. Daher tut es ihnen sehr gut, wenn sie mit Familienmitgliedern über Skype, Mail, Telefon in regelmäßigem Kontakt stehen können. Beim Großteil der Jugendlichen ist dies möglich. Auch Kontakte mit anderen Jugendlichen/Freundschaften geben Sicherheit und unterstützen. Ebenso wichtig ist der Schulbesuch, eine Arbeitsstelle, die Einbindung in Vereine oder Treffen mit Mentoren. Es kann sein, dass ein Jugendlicher zurückhaltend ist und sehr viel Zeit für sich braucht – hier sind ein behutsames Dasein, das Setzen von Beziehungsgesten, Normalität und Alltag gute Begleiter.

Kann ich das überhaupt meiner eigenen Familie zutrauen?

Es müssen natürlich alle Familienmitglieder damit einverstanden sein, einen Jugendlichen aufzunehmen und ihn auf dem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten. Unsere Familien legen im Vorfeld auch fest, was für sie möglich ist und wo sie sich abgrenzen möchten. Das heißt konkret, wir versuchen die Bedürfnisse der Familie auf die Bedürfnisse des Jugendlichen so weit wie möglich abzustimmen. Im persönlichen Gespräch als auch in den Kontakten zwischen der Familie und dem Jugendlichen zeigt sich, ob es einen gemeinsamen Weg geben kann.

Welche finanzielle Belastung kommt auf eine Pflegefamilie zu?

Die Pflegefamilie erhält das reguläre Pflegegeld, das von der Kinder- und Jugendhilfe monatlich ausbezahlt wird. Hat der Jugendliche das Asylverfahren bereits positiv abgeschlossen, kann um Familienbeihilfe angesucht werden. Ein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht erst dann, wenn der Jugendliche einen Status erhalten hat.

Werden Pflegefamilien, die einen UMF aufnehmen, auch überprüft?

Die Familien werden in Form von Hausbesuchen und persönlichen Gesprächen überprüft und auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Wie lange bleibt ein UMF in der Familie?

Ziel ist es den Jugendlichen in die Selbstständigkeit zu führen oder überbrückend da zu sein, bis seine Familie nachkommen kann.

Welche Erfahrungen haben bisher Pflegefamilien gemacht, die einen jungen Flüchtling bei sich aufgenommen haben?

Wir haben einen enormen Einsatz und ein unglaubliches Engagement bei unseren Pflegefamilien gesehen – meist waren die Erfahrung positiv und die Familien auch stolz auf den Werdegang ihres „Schützlings“. Wenn ein Zusammenleben längerfristig nicht möglich ist, werden mit der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Pflegekinderdienst immer Lösungen gefunden. Niemand wird alleine gelassen. Mit unseren bisherigen Erfahrungen können wir mutig sein und wissen, dass viel möglich und machbar ist.

Foto: Caritas Vorarlberg

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