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Gewalt in der Erziehung für viele Kinder Alltag

Fast 19.000 Kinder und Jugendliche in Vorarlberg erleben Zuhause Gewalt bis hin zur Misshandlung. Eine neue Kampagne soll verstärkt auf das Gewaltverbot in der Erziehung aufmerksam machen.

Als viertes Land weltweit hat Österreich nach Schweden, Finnland und Norwegen bereits 1989 Gewalt in der Erziehung verboten und dies auch in der Bundesverfassung verankert: „Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafung, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten . . .“ (Art. 5 Abs. 1 BVG). Eine 2014 veröffentlichte Studie zeigt, dass nur knapp 60 Prozent der Bevölkerung das Gewaltverbot bekannt ist. Überraschen mag auch, dass der Wert bei den Unter-30-Jährigen nur bei  50 Prozent liegt, bei den Über-50-Jährigen hingegen bei 70 Prozent.

Gewaltverbot wirkt

Dass ein gesetzliches Gewaltverbot Auswirkungen auf das Erziehungsverhalten von Eltern hat, zeigt eine Vergleichsstudie, die 2009 in fünf Ländern durchgeführt wurde: In Spanien und Frankreich, wo es keine gesetzliche Regelung gibt, sprachen sich deutlich weniger Menschen für eine Körperstrafen freie Erziehung aus als in Österreich und Deutschland, wo es rund ein Drittel waren. Mit gut 75 Prozent wies Schweden den höchsten Anteil von Eltern aus, die auf Körperstrafen verzichten. Dieser Unterschied erklärt sich zumindest zum Teil dadurch, dass Schweden bereits 1979 das Gewaltverbot in der Erziehung eingeführt hat und regelmäßig breit angelegte Aufklärungskampagnen durchführt.

Erschreckende Zahlen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Auch nach beinahe 30 Jahren ist das Gewaltverbot in der Erziehung nicht durchgehend bekannt, eine breitere Information und Sensibilisierung der Bevölkerung also dringend notwendig. Noch klarer wird das, wenn man sich anschaut, wie viele Kinder und Jugendliche betroffen sind. Die Zahlen in der vom Land Vorarlberg initiierten Kampagne mögen erschrecken, sie gehen von sieben Prozent aus. In Vorarlberg sind das etwa 5300 Kinder. Aber das sind nur die Kinder, bei denen das erlittene Ausmaß an Gewalt so hoch ist, dass von Misshandlung gesprochen werden muss.

19.000 Kinder leiden unter gewaltbereitem Erziehungsstil

Unter einem gewaltbereiten Erziehungsstil leiden weitaus mehr, nämlich ein Viertel der Kinder und Jugendlichen, also fast 19.000. Diese Zahl ist so hoch, dass man sich kaum traut, sie zu nennen, dass sie für viele unglaubwürdig klingt. Und doch ist sie durch Studien eindeutig belegt. Die Zahl spricht auch dafür, dass Gewalt in der Erziehung nicht nur sogenannte bildungsferne Familien, möglicherweise mit Migrationshintergrund, betrifft, sondern dass sie in allen Gesellschaftsschichten und Bevölkerungsgruppen vorkommt. Viele Eltern halten Körperstrafen nach wie vor für ein geeignetes Erziehungsmittel.

Informiert sein reicht nicht

Aber auch informiert sein allein reicht nicht aus, um zu verhindern, dass Kinder daheim Gewalt erleben. Eltern, die zu solch drastischen Erziehungsmaßnahmen greifen, leben meist an der Belastungsgrenze. Diesen Eltern Hilfe und Unterstützung zu geben und darüber hinaus Lebensbedingungen von Familien so zu gestalten, dass sie nicht überfordert sind, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

Mehr Infos zur Kampagne

Autorin:

„Familie – kein Platz für Gewalt!(?). 20 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich“, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend 2009

„Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. 25 Jahre gesetzliches Gewaltverbot – eine Zwischenbilanz“ , Bundesministerium für Familie und Jugend, Kinder- und Jugendanwalt des Bundes 2014

Kinderschutz Vorarlberg ist eine Initiative der öffentlichen und privaten Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Kinder- und Jugendanwalt, an der auch das Vorarlberger Kinderdorf als größte Kinderschutzeinrichtung im Land beteiligt ist. Gemeinsam setzen uns dafür ein, das Kinderschutzsystem im Land lebendig und tragfähig zu halten und die Vernetzung und Kooperation zu angrenzenden Systemen zu fördern. www.vorarlberg.at/kinderschutz

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