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„Kinder sind wie Seismografen“

Vorarlberger Kinderdorf zieht Resümee: 2900 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr mit möglichst frühen Hilfen betreut.

„Kinder sind wie Seismographen. Sie halten uns, ja der ganzen Gesellschaft den Spiegel vor“, stellt Christoph Hackspiel anlässlich des Erscheinens des aktuellen Jahresberichts des Vorarlberger Kinderdorfs fest. Im Vorjahr wurden 2900 Kinder und Jugendliche, deren Wohl gefährdet oder beeinträchtigt ist, in sieben Fachbereichen begleitet. „Alle diese Kinder haben auf die eine oder andere Art gezeigt, dass für sie etwas nicht stimmt“, so der Geschäftsführer des Vorarlberger Kinderdorfs. Sie wachsen in Familien auf, die von Armut betroffen sind, denen mangelnde gesellschaftliche Teilhabe, Krankheit und Überforderung in der Bewältigung des Alltags und ihrer Erziehungsaufgaben zu schaffen machen.

Netzwerke und Prävention im Sozialraum

Man müsse künftig noch stärker möglichst früh ansetzen, um die Entstehung von Problemen zu verhindern, u. a. durch die Entwicklung von Präventionsnetzwerken im Sozialraum. 275 Freiwillige wurden im vergangenen Jahr vom Bereich Familienimpulse mit ebenso vielen Familien zusammengeführt. Kleine Hilfen, die viel Rückstärkung und Entlastung für Familien bedeuten, kamen insgesamt 643 Kindern zugute.

Unterstützung für erschöpfte Familien

Mehr als 700 Kinder leben in den 365 Familien, die im Vorjahr von „Netzwerk Familie“ durchschnittlich 15 Monate lang begleitet wurden. Die Hälfte der Familien konnte vor Ende des dritten Lebensmonats des Babys erreicht werden, 16 Prozent der Frauen schon während der Schwangerschaft. Psychische Erkrankungen der Eltern, belastende Wohnsituationen und ein hohes Armutsrisiko waren Hauptgründe für die Inanspruchnahme der Hilfe. Vermehrt wurden auch Familien mit einer Fluchtgeschichte unterstützt. Trotz erschwerter Lebensbedingungen sei das Bemühen der Eltern um ihre Kinder groß, erklärt Fachbereichsleiterin Christine Rinner. „Diese Familien sind erschöpft von den Herausforderungen des Alltags und oft verunsichert darin, wie sie auf die Bedürfnisse ihrer Kinder adäquat reagieren sollen.“ Hier konnte mit dem „Baby ABC“ im Vorjahr ein gefragtes Angebot entwickelt werden, um die Eltern-Kind-Bindung zu stärken.

Auszeit in akuten Familienkrisen

Von den fünf Regionalteams des Ambulanten Familiendienstes wurden 2015 376 Familien mit 782 Kindern unter die Arme gegriffen. Bei 28 Prozent der neu zugewiesenen Familien war „Gewalt in der Familie“ Auslöser für die Betreuung. Knapp 60 Kinder fanden in der Auffanggruppe eine Auszeit in akuten Familienkrisen, 23 Babys und Kleinkinder wurden darüber hinaus in privaten Krisenpflegefamilien betreut. Die Suche nach Patenfamilien für jugendliche Flüchtlinge prägte im  Pflegekinderdienst, der heuer seinen 20. Geburtstag feiert, das vergangene Jahr. Über 50 Familien und Einzelpersonen haben sich für die Aufnahme eines jugendlichen Flüchtlings interessiert.

Neue Wege in der Betreuung herausfordernder Jugendlicher

Auf ein 40-jähriges Bestehen kann das Kinderdorf Kronhalde zurückblicken, wo 80 Kinder und Jugendliche in Kinderdorffamilien und Wohngruppen ein neues Zuhause finden. Neue Wege beschreitet die Paedakoop: Mit vielfältigen Projekten und Angeboten werden in Wohngruppen, ambulanter Lebensweltorientierter Betreuung (LOB) und Schule Kinder und Jugendliche im Pflichtschulalter wirksam unterstützt, die in ihrem Umfeld gravierende Schwierigkeiten haben.  

Verstärkte Investitionen nötig

Einen enormen Zuwachs an Einsätzen hatte der Familienkrisendienst zu meistern, der im Vorjahr 194 Kinder und Jugendliche in 131 eskalierenden Familienkrisen – 54 mehr als 2014 – begleitete. Laut Christoph Hackspiel sind gemeinsame Anstrengungen nötig, um Familien in psychosozialen Notlagen, die nicht in der Lage sind, ihren Kindern den nötigen Rückhalt zu geben, zu helfen. „Kinder brauchen verlässliche, vertrauensvolle Beziehungen, um sich für die Welt zu öffnen und ihre Potenziale zu entfalten.“ Damit die wachsenden Herausforderungen bewältigt werden können, brauche es über die gute Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Sozialfonds hinaus verstärkte Investitionen in Unterstützungsangebote für benachteiligte Kinder und deren Familien.

Laufend Freiwillige und Pflegeeltern gesucht

Das Vorarlberger Kinderdorf sucht laufend Freiwillige für Ehrenamt mit Kindern, Pflegeeltern für Kinder bis zehn Jahre, Patenfamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie Krisenpflegefamilien, die Babys und Kleinkinder in akuten Familienkrisen bei sich aufnehmen.

 

Ergänzung zum Jahresbericht: Für die Spendenwerbung sowie die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen sind der Geschäftsführer, Dr. Christoph Hackspiel, die Leiterin Kommunikation & Fundraising, Sylvia Steinhauser und die Leiterin Betriebswirtschaft, Claudia Sohm, MBA verantwortlich. Für die widmungsgemäße Verwendung der Spenden sind der Geschäftsführer, Dr. Christoph Hackspiel, und die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder verantwortlich.

Zeitung Kind 2016

Spannende Jubiläumsausgabe zum Thema „Familie: Lernort des Lebens“.  mehr »

Jahresbericht 2015

Tragfähige Netzwerke und verstärkte Prävention für 2900 Kinder und Jugendliche.  mehr »