Scheidungskinder im Spannungsfeld
Justizminsterin Bandion-Ortner fordert eine automatische gemeinsame Obsorge beider Elternteile nach einer Scheidung. Eine gemeinsame Elternschaft trotz Konflikten und Trennung ist wünschenswert, haben doch Kinder das Recht auf eine kontinuierliche Beziehung zu beiden Elternteilen. Die gemeinsame Verantwortung von Vater und Mutter für die Kinder rückt dadurch ins Blickfeld. Eine diesbezügliche Gesetzesänderung ist zu begrüßen. Nicht vergessen werden darf jedoch, dass in schwierigen Trennungssituationen flankierende Maßnahmen finanziert werden müssen. So ist die Finanzierung der beiden vom Vorarlberger Kinderdorf betriebenen Besuchscafés aufgrund der neuen Richtlinien mehr denn je ungesichert.
Größtmögliche Unterstützung bieten
Das Vorarlberger Kinderdorf fordert deshalb im Sinne der betroffenen Kinder – jährlich über 21.000 in ganz Österreich – Bedingungen zu schaffen, die Kindern in Trennungssituationen größtmögliche Unterstützung bieten und den Kontakt zu Vater und Mutter auch unter schwierigsten Bedingungen gewährleisten.
Scheidungen gehen jahrelange Verletzungen voraus
„Natürlich sind bei uns im Besuchscafé die hoch belasteten Familien, dennoch verdeutlicht die enorme Auslastung die Notwendigkeit einer Besuchsbegleitung in dieser Form“, so Alice Hagen-Canaval, Leiterin des Ambulanten Familiendienstes. „Jeder Scheidung gehen jahrlange Verletzungen und Auseinandersetzungen voraus, von denen die Kinder immer mit betroffen sind.“ Alle Beteiligten haben Trennungsschmerz und Enttäuschungen zu verarbeiten.
„Jeder Samstag, der geschlossen ist, ist ein Drama"
Kinder sind in diesen Situationen oft alleingelassen und können häufig aufgrund der Konflikte den getrennt lebenden Elternteil nicht einmal mehr besuchen. Genau hier setzt das Angebot der Besuchscafés des Vorarlberger Kinderdorfs an. Jeden Samstag ist in Bregenz oder Feldkirch Besuchsnachmittag für Kinder und Eltern in problematischen Trennungssituationen – und dies 50 Mal im Jahr. „Jeder Samstag, den wir aufgrund eines Feiertags geschlossen haben, ist ein Drama“, so Mag. Gabriele Rohrmeister, die die fachliche Projektleitung innehat.
Besuchscafés: Einsparungen stehen ins Haus
Die Besuchscafés wurden in den vergangenen vier Jahren überwiegend vom Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen finanziert, für das Jahr 2010 stehen Einsparungen ins Haus. So werden die geförderten Besuchsbegleitungen auf ein halbes Jahr bzw. 30 Stunden beschränkt. „In konfliktreichen Situationen sind sechs Monate viel zu wenig, um eine entspannte Kooperation zwischen den getrennt lebenden Eltern sicherzustellen“, konstatiert Hagen-Canaval.
2009 wurden in den Besuchscafés in Bregenz und Feldkirch 57 Familien mit insgesamt 69 Kinder im Alter von eins bis 12 Jahren begleitet.

