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Was Kinder glücklich macht

Kinderglück ist unterschiedlich: Katharina Gerarts präsentierte die Ergebnisse der World Vision Kinderstudie, für die 2500 Kinder befragt wurden.

Im vorletzten Vortrag der aktuellen Staffel der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs ging es im ORF-Studio in Dornbirn darum, was Kinder glücklich macht. Katharina Gerarts vom World-Vision-Forschungsinstitut präsentierte dazu die Ergebnisse einer in ganz Deutschland durchgeführten Studie, in der 2500 Kinder im Alter zwischen sechs und 11 Jahren jeweils 30 Minuten lang interviewt sowie zwölf ausführliche Kinderporträts durchgeführt wurden.

Familienformen ändern sich,
aber bei weitem nicht so wie prognostiziert

Kinder leben in unterschiedlichen Lebenswelten. Zwar würden nach wie vor fast drei Viertel aller Kinder in einer klassischen Kernfamilie mit verheirateten Eltern aufwachsen, dennoch befände sich die Kleinfamilie im Wandel. „Der Anteil von AlleinerzieherInnen- und Patchworkfamilien dürfte zwar künftig steigen, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie dies medial oft dargestellt wird“, so die Diplompädagogin und Erziehungswissenschaftlerin. Generell könne nicht von „der“ oder „einer bestimmten“ Kindheit gesprochen werden, zudem seien Kinder unterschiedlich und bräuchten demzufolge Unterschiedliches für ihr Glück.

Väter haben nach wie vor zu wenig Zeit für ihre Kinder

„Die Bindung zur ihren Eltern ist für Kinder lebenswichtig. Kinder können aber viel aushalten und Krisen gut überstehen“, hielt die Kindheitsforscherin fest. Auch anderen Bezugspersonen, vor allem den Großeltern, komme eine wichtige Rolle zu. „Sie können das Familienleben bereichern und die Eltern entlasten.“ Was die väterliche Zuwendung anbelangt, scheint sich aus Kindersicht wenig verändert zu haben: Nur ein Drittel der befragten Kinder gibt an, dass der Vater genügend Zeit für sie aufbringt.

Mehr Unterstützung für Familien in prekären Lebenssituationen

Eine weitere Kernaussage der Studie: Armut und elterliche Zuwendung bedingen sich. Kinder, deren Eltern der unteren Einkommensschicht zuzurechnen oder von Arbeitslosigkeit betroffen sind, die im Alltag Armut erleben, bewerten die elterliche Zuwendung wesentlich negativer als Kinder aus Familien mit hinreichenden materiellen Ressourcen. „Kinder aus prekären sozialen Verhältnissen sind jedoch nicht per se verwahrlost“, konstatierte Gerarts. „Sie leben vielmehr in einer Risikosituation und bekommen insgesamt viel zu wenig Unterstützung.“ Hier müssten Kinder- und Familienpolitik verstärkt Hand in Hand gehen.

Kinder sind verletzlich

Gerarts Vortrag war auch ein Plädoyer für eine „gewaltfreie Erziehung, in der wir uns immer wieder die große Verletzlichkeit der Kinder vor Augen führen, die aus der uneingeschränkten Liebe der Kinder zu ihren Eltern resultiert“. Kinder seien beispielsweise aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit und ihrem altersbedingten Mangel an Erfahrungen in ein Machtgefüge der Generationen eingebunden. „Wir dürfen Kinder im Alltag nicht beschämen oder erniedrigen und müssen ihre körperliche ebenso wie ihre seelische Integrität respektieren.“ Stattdessen sei es die Aufgabe der Erziehenden, Machtdifferenzen und Asymmetrien abzubauen. Dies könne vor allem durch Partizipation geschehen.

Kinder müssen vor allem in der Schule mehr beteiligt werden

„Kinder brauchen Freiheiten und müssen viel mehr beteiligt werden“, fordert Gerarts weiter. Vor allem in der Schule müsse die Meinung der Kinder noch weit mehr eingeholt, aber auch im privaten Umfeld müssten Kinder stärker zu Selbstständigkeit geführt werden.

Kinder brauchen Kinder . . .

„Ohne Freunde wäre das Leben ganz schön hart“, meinte eines der befragten Mädchen. Eltern kommt die wesentliche Aufgabem zu, ihre Kinder dabei zu unterstützen, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. „So können Kinder die Fähigkeit entwickeln, sich in andere hinzuversetzen.“ Keine eindeutigen Ergebnisse brachte die Studie im Hinblick darauf, ob Kinder mit oder ohne Geschwister glücklicher sind, dennoch gehörten Geschwister-Beziehungen zu den „dauerhaftesten und intensivsten sozialen Erfahrungen überhaupt“.

. . . und Freiheiten

Kinder werden durch verlässliche Beziehungen zu den Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden glücklich, wenn Erwachsene ihre Verletzlichkeit beachten, indem sie und ihre Meinung wert geschätzt werden und wenn ihnen altersgemäße Freiheiten gewährt werden.

Katharina Gerarts ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im World-Vision-Institut für Forschung und Innovation; www.worldvisioninstitut.de

Zum Erfolg der Reihe „Wertvolle Kinder" tragen wesentlich die Unterstützung durch das Land Vorarlberg sowie die Kooperationen mit ORF, VN, Raiba Bregenz und Hotel Weißes Kreuz Bregenz bei.

Autorin: Christine Flatz-Posch, Vorarlberger Kinderdorf, Kommunikation & Medien

Zum Video des Vortrags


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