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„Ich geh' nicht mehr zur Schule!“

„Wertvolle Kinder“: Dr. Udo Baer zeigte im Vorarlberger Kinderdorf Kronhalde geheime Quellen für Schulangst und Schulverweigerung auf.

Die mittlerweile achte Staffel der Vortragsreihe „Wertvolle Kinder"ist dem Thema „Innere Not – Ängste und Sorgen von Kindern und Jugendlichen" gewidmet. In Kooperation mit dem Landeselternbüro des Landeselternverbandes Vorarlberg lud das Vorarlberger Kinderdorf Dr. Udo Bear zum Thema „Geheime Quellen der Schulangst“ ein. Der Sozialpädagoge, Autor und Therapeut mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit  Kindern und Jugendlichen und in der Elternberatung ist Mitbegründer und wissenschaftlicher Leiter der Zukunftswerkstatt „therapie kreativ“.

Belastende Ängste auschlaggebend

„Ich gehe nicht mehr zur Schule!" Bevor dieser Satz das erste Mal ausgesprochen wird, brodeln lange Zeit Gefühle in Kindern, die von ihnen nicht in Worte gefasst werden können. Das besondere Augenmerk muss daher den Situationen und Erlebnissen davor gelten. Denn immer sind diffuse und belastende Ängste dafür verantwortlich, dass Kinder nicht mehr in die Schule gehen wollen. Es muss daher gefragt werden: „Wann ist die Freude an der Schule in Unbehagen umgekippt?“ Aufmerksame Eltern und Pädagogen sind also eine Grundvoraussetzung für das Erkennen des innerlichen Rückzugs vor dem sozialen Netz der Schule.

Warnsignale wahrnehmen

Warnsignale sind immer verstummte und besonders ruhige Kinder, Kinder denen die Worte fehlen, aber auch das genaue Gegenteil ist nicht selten: Verhaltensauffälligkeiten und ein gesteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis sind oft die sprachlosen Signale betroffener Kinder. „Störer sind oft Verstörte“ erwähnt Dr. Baer in diesem Zusammenhang und betont die besondere Funktion von Gefühlen: Gefühle lassen sich „umtauschen“. So werden Trauer oder Schuldgefühle in Angst umgetauscht und können sich als Schulangst manifestieren.

Die geheimen Quellen von Schulangst

Eine einzige Ursache von Schulangst gibt es nicht, die Quellen sind so individuell wie die Kinder es sind. Dr. Baer erläutert anhand vieler Fallbeispiele fünf hauptsächliche Quellen von Schulangst: Veränderungen im persönlichen Umfeld, wie beispielsweise Schulwechsel, Lehrerwechsel, aber auch ein Umzug des besten Freundes in der Klasse kann eine Ursache sein.
Persönlichkeitsbezogene Ursachen, z.B. eine natürliche besondere Empfindsamkeit, eine Dünnhäutigkeit, die zudem nicht selten fälschlicherweise als AufmerksamkeitsDefizit(Hyperaktivitäts)Störung (ADHS) diagnostiziert wird.
Druck, z. B. Leistungsdruck, schwelende Konflikte innerhalb des Familiensystems.
Beschämung, z. B. beschämende Situationen im Klassenverband oder in der Schule, aber auch im Elternhaus und im Freundeskreis. Denn: Beschämung erniedrigt Menschen.
Schuldgefühle, die daraus entstehen, dass Kinder immer den Erwartungen der Erwachsenen entsprechen wollen. Hier ist es besonders wichtig, Kindern diese Schulgefühle aktiv zu nehmen, das heißt durch klare Worte: „Du bist nicht schuld!“.

Was kann ich unternehmen?

Die Antwort von Dr. Baer klingt so pragmatisch wie sein gesamter Vortrag: „Erklären, erklären, erklären“:
1.    Aufmerksam gegenüber Veränderungen von Kindern sein.
2.    Nachfragen und sich auch nicht abwimmeln lassen, hartnäckig sein, ernsthaftes Interesse zeigen.
3.    Die fünf Quellen (siehe oben) strategisch abarbeiten und prüfen.
4.    Die Gefühle des Kindes ernst nehmen und dabei die Vorbildwirkung beachten. Eltern sollen beispielsweise die eigenen Erfahrungen mit der Schule Revue passieren lassen und sich fragen, wie es ihnen damals ging. Oft eignet sich das Erzählen solcher Erlebnisse als Einstieg für tiefere Gespräche mit dem Kind oder Jugendlichen.

„Kinder sind weise"

Dr. Baer plädiert eindringlich für mehr leistungsfreie Räume und Zeit zum Nichtstun für Kinder und fasst seinen Vortrag mit den Worten zusammen: „Ich glaube, dass Kinder weise sind“. Anschließend regte Dr. Baer eine Diskussion an und ging auf individuelle Problemstellungen ein. Einfühlsam und kompetent beantwortete er Fragen um Themen wie Trauer oder Schuldgefühle und vertiefte einige seiner vorausgegangenen Ausführungen.

Info: Zukunftswerkstatt therapie kreativ

Publikationen

Keine Angst vor der Schule: Was Eltern tun können (2010)Gefühlssterne, Angstfresser, Verwandlungsbilder, Kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle (2008)Neurowissenschaften, Säuglingsforschung und Therapie (2005)Hyperaktive Kinder kreativ (2005)

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