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Das perfekte Kind

„Wertvolle Kinder“: Vorstellungen vom „perfekten Kind“ setzen Familien unter Druck. Christiane Kohler-Weiss hielt ein Plädoyer wider den Anforderungswahn.

Gesund soll es sein, intelligent, hübsch, fröhlich, kreativ, kein Störenfried, musikalisch, gesellig, selbstbewusst und durchsetzungsfähig: Das „perfekte Kind“ entspringt laut Dr. Christiane Kohler-Weiss „maßlosen Träumen der Eltern über ihre Kinder, die viel mit ihren Sehnsüchten und nichts mit der Realität zu tun haben“. Die Mittelschicht sei stark von der Angst beeinflusst, dass ihre Kinder vom sozialen Abstieg bedroht sind, dass sie bei den besten sein müssen, um nicht zu scheitern, so die Theologin, Pfarrerin und Mutter, die im Rahmen der Reihe „Wertvolle Kinder“ im Vorarlberger Kinderdorf gastierte. „Diese Angst ist der Auslöser für Eltern, sich und ihre Kinder extrem unter Druck zu setzen.

„Alles wird eng“

Nährboden dafür ist eine unbarmherzige Leistungsgesellschaft, eine Welt, die sich in den letzten 50 Jahren radikal verändert hat. Neue Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik würden Kinder immer mehr zu einem Objekt der Planung machen. „Das Kind wird wie ein Produkt behandelt und muss entsprechend dieser Logik dem perfekten Modell entsprechen“, so Kohler-Weiss. Exponential gestiegen sind auch die Erkenntnisse aus Medizin und Lernforschung – neues Wissen, das von Eltern immer wieder Entscheidungen abverlange, was getan und was weggelassen werden soll, was gut und richtig ist. Darüber hinaus habe sich das Bild von der Zukunft verändert. „Die Zukunft wird als Bedrohung gesehen, ist geprägt von Misstrauen und einer allgemeinen Untergangsstimmung.“ Der daraus resultierende Anforderungs- und Förderwahn schade allen, führe zu permanenten Selbstzweifeln der Eltern und lasse keine – durchaus notwendigen Fehler – zu. „Kinder haben ein Recht auf ihre eigenen, auch negativen, Erfahrungen. Hier müssen wir die Grenzen weiter stecken“, fordert Kohler-Weiss.

„Du bist super, so wie du bist“

Die Theologin plädiert dafür, sich darauf zu besinnen, was gute Eltern eigentlich ausmacht. „Das hat nichts mit dem Stress, Kinder zu allen erdenklichen Kursen und Angeboten zu fahren, zu tun und nichts mit durchgestylten Kindergeburtstagen.“ Die zentrale These der evangelischen Pfarrerin ließ viele aus dem zahlreich erschienenen Publikum spürbar aufatmen. „Wichtig sind die Hoffnung, dass unsere Kinder das Gute im Leben finden werden, und das Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz.“ Vermehrt dem Gefühl folgen, Kinder so akzeptieren, wie sie sind, ihnen zuhören und bedingungslos ja zu ihnen sagen – was banal klingt, ist im Alltag oft vergessen. Kleine Rituale und gemeinsame unverplante Zeiten würden die Eltern-Kind-Beziehung bereichern und das erlebbar machen, um was es eigentlich geht: „Ich bin so froh, dass ich dich habe!“

Buchtipp: „Das perfekte Kind – eine Streitschrift wider den Anforderungswahn“, Dr. Christiane Kohler-Weiss

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