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Grüntee oder Cola?

„Patchwork Familie“ in der Reihe „Wertvolle Kinder“: Über Stolpersteine und Chancen zum zweiten Glück.

Ein volles Haus und ein äußerst aufmerksames Publikum: Henri Guttmann, Paar- und Familientherapeut aus Winterthur, gelang es in der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs, die BesucherInnen in seinen Bann zu ziehen. Längst sei die Patchwork-Familie dem Attribut „exotisch“ entwachsen. „Über 15 Prozent aller Schulkinder leben in einer Patchwork-Familie, die meisten davon in einer Stiefvaterfamilie.“

Wenn zwei Welten aufeinander prallen

Anspruchsvoll sei dieses Format jedoch allemal, gelte es doch, zwei Familienkulturen zu einem gemeinsamen Haushalt zusammenzubringen. „Die einen schlürfen Grüntee, die anderen trinken Cola. Da prallen oft unterschiedliche Welten und Ansichten aufeinander.“ Augenmerk sollte laut Guttmann darauf gelegt werden, „dass die Kinder in der Nachscheidungsphase nicht zu viel Macht im System bekommen“. Vermieden werden sollte beispielsweise, dass die Sprösslinge nach der Trennung der Eltern ins Ehebett übersiedeln – und dort dann nicht mehr rauswollen.

Patchworker als „good guy“

Besonders eine Variante berge Konfliktpotenzial: die Patchwork-Familie mit gemeinsamen Kindern, die rund 38 Prozent ausmacht. Da heiße es dann: „Deine Kinder und meine Kinder verhauen gerade unsere Kinder!“ Guttmann betonte in diesem Fall vor allem, dass der neu in die Familie kommende „Patchworker“ im ersten Jahr keine pädagogischen Aufgaben übernehmen sollte. „Der Bösewicht muss immer der biologische Elternteil sein. Ihm gegenüber ist die Verzeihens-Quote der Kinder weiter höher.

Die Pubertät macht’s schwerer

Je älter der Nachwuchs in der neuen Familienkonstellation ist, desto schwieriger lasse sich ein harmonisches Zusammenleben gestalten. „Patchwork-Familien funktionieren besser, wenn die Kinder nicht in der Pubertät und damit in einer Ablösungsphase sind, in der sie wenig an Veränderung oder einem neuen Mitglied in der Familie interessiert sind.“ In diesem Fall ist es laut Guttmann oftmals besser, zumindest eine Zeitlang in getrennten Wohnungen nach dem Modell „Living apart together“ zu leben.

Das zweite Mal – maximal?

Für Spannungen sorge darüber hinaus, wenn sich die ehemaligen Partner nicht fair und freundschaftlich begegnen können. Zudem sei ein hoher Erwartungsdruck eine zusätzliche Belastung. Dabei brauchen Patchwork-Familien Zeit, um sich zu stabilisieren. „In der Regel dauert es zwei Jahre, bis sich alle im neuen Modell eingerichtet haben.“ Schuldgefühle – die im Übrigen ganz normal seien – und Vorbehalte der Kinder gegenüber dem neu in die Familie kommenden Elternteil sind weitere Gründe für Unstimmigkeiten, die den Alltag belasten. „Aus der Perspektive der Eltern ist die neue Partnerschaft ein Gewinn. Die Kinder erleben diese jedoch erstmal als Verlust. Es braucht Zeit, bis der Nachwuchs die Qualitäten des neuen Partners erkennen kann.“

Partnerschaft vor Elternschaft

In jedem Fall müssen in der Patchwork-Familie alte Familienmuster aufgegeben werden, denn: Die neue Familie ist anders. Dabei sollten Eltern vor allem auch darauf achten, ihre Partnerschaft zu leben und sich Zeit als Paar zu nehmen. „Eine gesunde Partnerschaft kommt vor der Elternschaft“, hält Henri Guttmann fest.

Paar-Inseln im Alltag

Schließlich würden sich liebende Eltern auch zum Kinderglück beitragen. Konkret riet der Therapeut Patchwork-Eltern zu „Paar-Inseln“ im Alltag – etwa zwei Abende im Monat und sechs Minuten täglich sollten ganz allein den Eltern gehören. „Patchwork-Familien brauchen Raum und Zeit für neue Entwicklungen“ – so das Fazit des Therapeuten, der als Witwer mit seinen beiden Töchtern in einer neuen Beziehung lebt und auf eigene Patchwork-Familien-Erfahrungen zurückgreifen kann.

Autorin:

Die Vortragsreihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs wird in Kooperation mit dem ORF Vorarlberg und Russmedia durchgeführt und vorwiegend vom Land Vorarlberg/ Fachbereich Kinder- und Jugend finanziert. Die nächsten Termine und Vorträge zum Nachhören und Nachlesen

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