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Für Trauer nicht zu klein

„Wertvolle Kinder“: Warum es dann wichtig ist, dass Kinder trauern dürfen, wenn für immer alles anders ist.

 „Wir leben in einer Gesellschaft, in der nicht über den Tod geredet wird. In der Kinder nicht traurig sein sollen. In der wir wollen, dass Kinder auf nichts verzichten müssen.“ Mechtild Schroeter-Rupiepers Vortrag in der Reihe „Wertvolle Kinder“ war auch ein berührendes Plädoyer für mehr Offenheit, Mut und letztlich Information im Umgang mit einem tabuisierten Thema. Als Gründerin und Leiterin des Instituts für Familientrauerbegleitung in Gelsenkirchen schöpfte die gelernte Erzieherin im Vorarlberger Kinderdorf Kronhalde vor vollem Haus aus ihrem reichen Erfahrungsfundus. Trauer sei nicht auf Tod beschränkt, meinte die Expertin gleich zum Auftakt. Auch Scheidungskinder würden trauern, deren Ängste blieben jedoch oft unbeachtet. „Um Stärke zu entwickeln müssen Kinder gesehen werden.“ Passiere dies nicht, seien Bindungsstörungen die Konsequenz – die gesellschaftlichen Folgen könne man sich angesichts alarmierender Scheidungsraten, z. B. 40% im Ruhrgebiet oder 691 Scheidungen 2013 in Vorarlberg, ausmalen.

Wer tot ist, wird nicht mehr lebendig

Die Angst werde in der Auseinandersetzung kleiner. Umso wichtiger sei es, Kindern zu helfen, den Tod zu begreifen, um Trauer zu ermöglichen. „Trauer ist ein angeborenes Gefühl, das zum Leben gehört. Man kann sie nicht schön oder weg reden.“ Trauer zu unterdrücken mache krank. Dabei müssten Eltern ihren Kindern beim Verstehen des Todes helfen, das je nach Alter und Entwicklungsstand sehr unterschiedlich sei – beispielsweise auch, in dem offen und mit Klarheit über den Tod gesprochen werde. „Man ist nicht über den Jordan gegangen, abgekratzt oder eingeschlafen, wenn man tot ist“, erläuterte die Trauerbegleiterin. „Wer eingeschlafen ist, wacht ja wieder auf. Wer gestorben ist, wird jedoch nicht wieder lebendig.“ Schroeter-Rupieper rät dringend dazu, Kindern eine „gewisse Basisinfo über das Sterben“ und dabei auch konkrete Erklärungen zu geben: „Wenn man tot ist, schlägt das Herz nicht mehr, fließt das Blut nicht mehr, Tote werden kalt und starr. Die Hand wird nicht mehr warm, auch wenn man sie lange hält.“

Es ist okay, traurig und glücklich zu sein

Gerade Jungs werde oft suggeriert, dass sie stark sein müssen, nicht weinen dürfen. Moritz beispielsweise beschreibt seine Trauer so: „Die fängt bei mir im Bauch an, wenn sie im Hals ist, dann haue ich zu oder spiele den Clown.“ Kinder mitnehmen, begreifen lassen, mit Ritualen unterstützen ist laut der Trauerbegleiterin essentiell. „Es ist Aufgabe der Eltern, Kindern Traurigkeit beizubringen, ihnen helfen, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, und so gemeinsam mit Verlust, Abschied und Tod umgehen lernen.“

Keine allgemein gültigen Regeln für „richtiges“ Trauern

Dabei sei Trauer individuell und die Bandbreite der Trauerreaktionen groß: „Manche weinen Rotz und Wasser, andere wollen alles kurz und kleinschlagen, wieder andere werden unendlich müde, wollen sich am liebsten verkriechen oder nur noch aus dem Fenster starren.“ Laut oder leise, für sich oder mit anderen, kurz oder lange – für „richtiges“ Trauern gibt es kein Patentrezept. Trotz der eigenen Betroffenheit können Eltern ihren Kindern jedoch gute Begleiter in einer schweren Zeit sein und aufzeigen, „wie man als Familie durch die Trauer gehen kann“. Und dass es ist völlig okay ist, traurig und glücklich zu sein.

Gute Gründe für das Leben – trotz alledem

Wie sollen sich Kinder von der sterbenden Mama verabschieden? Sollen sie den toten Papa noch einmal sehen? Was passiert mit dem Körper, wenn man tot ist, und noch weit schwieriger zu beantworten – was ist mit der Seele nach dem Tod? Wichtig sei vor allem, sich diesen Fragen mit Offenheit zu stellen, statt Kinder vom Erleben und damit Begreifen des Todes fernzuhalten. Ein vermeintlicher Schutz, der Kindern laut der Vortragenden verunmögliche zu trauern. Und Trauern gehört unabdingbar zum Leben. Ebenso wie das Prinzip Hoffnung, denn auch im Trauerprozess gibt es gute Gründe, warum es sich zu leben lohnt.

Literatur-Tipp: „Für immer anders: Das Hausbuch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds“, Mechthild Schroeter-Rupieper

Den gesamten Vortrag in der Vokithek nachhören!

Angebote für Trauernde: www.hospizbewegung-vorarlberg.at

Autorin:

 

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