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Scheitern macht stark

„Wertvolle Kinder“: Immer schneller, immer früher, immer mehr – die Ansprüche an Kinder und Eltern wachsen, dabei wollen wir alle dasselbe: glückliche Kinder.

Ein volles Haus, ein interessiertes Publikum, ein Thema, das bewegt: „Eltern unter Druck – Kindern Halt und Orientierung vermitteln“ – unter diesem Titel referierte die Schweizer Professorin für Erziehungswissenschaft Margrit Stamm in der Reihe „Wertvolle Kinder“ im Vorarlberger Kinderdorf Kronhalde. Dabei griff die Autorin zahlreicher Bücher nicht nur auf ihren wissenschaftlichen Hintergrund, sondern auch auf ihre Erfahrungen als zweifache Mutter mittlerweile erwachsener Kinder zurück. „Diese sind mindestens ebenso wichtig und stimmen bei weitem nicht immer mit der Wissenschaft überein“, so Stamm. „Mein Mann und ich haben viele Fehler gemacht, aber unsere Kinder sind recht gut geraten. Also: Entspannen Sie sich, aber seien Sie auch selbstkritisch“, so der einleitende Rat ans Publikum. Und damit brachte Stamm auch gleich eine ihrer zentralen Thesen aufs Tapet: Eine fehlerfreie Erziehung gibt es nicht.

Gibt es die perfekte Erziehung?

Erziehung sei immer ein Balanceakt zwischen „Zuviel“ und „Zuwenig“, zwischen (Über)behütung, Kontrolle und der Gewährung von Freiräumen zum Experimentieren und dem Ausloten von Grenzen. „Nicht nur Eltern müssen und dürfen nicht perfekt sein, auch den Kindern muss zugestanden werden, Fehler zu machen. Scheitern macht auch stark, lässt Kinder wachsen und in ihrer Persönlichkeit reifen“, so Stamm. „Nur so können Kinder eine Frustrationstoleranz entwickeln und mit Rückschlägen klarkommen, die das Leben zwangsläufig mit sich bringt.“ Dazu brauche es aber die Bereitschaft der Eltern, sich weiterzuentwickeln, den ehrlichen Blick in den Spiegel und „das Aushalten von Unglücklichsein, das durch Misserfolge entsteht“.

Werden Kinder problematischer?

Stamm hält das medial propagierte Bild der immer schwieriger werdenden Kinder per se nicht für richtig. „Verändert hat sich vor allem unser Blick auf die Kinder. Wir wissen viel mehr, wir schauen viel genauer.“ Und haben hohe Ansprüche an das „Geschäft Erziehung“, das zum „perfekten Kind“ führen soll. Dieser Drang nach Perfektion sei problematisch, nicht jedoch hohe Erwartungen der Eltern an das Kind, die durchaus entwicklungsförderlich seien. „Kinder brauchen Herausforderungen.“ Bei allen Bemühungen gelte es aber, das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und seine Grenzen zu beachten.

Reicht eine Kindheit voller Liebe fürs ganze Leben?

Ein Kind braucht die Liebe, Zuneigung und Achtung seiner Eltern. Können wir jedoch mit einer Kindheit voller Liebe ein Leben lang auskommen? Nein, ist Stamm überzeugt. Im Gegenteil: „Man kann seine Kinder auch zu sehr lieben.“ Durch ein Übermaß an Sorge, Hilfsbereitschaft und Entlastung und einen Mangel an Zutrauen, Autonomie und Ermutigung. „Wer sich überbehütend verhält, kann seinem Kind schaden“, bezog sich Margrit Stamm auf die viel zitierten „Helikopter-Eltern“, die über den Köpfen ihrer Kinder kreisen und „Bumerang-Kids“ erzeugen, die sich nicht lösen können. Diese Überprotektion verhinderte wichtige Lernerfahrungen. „Wir müssen Kinder vor Gefahren schützen, aber Risiken zulassen, den Kindern etwas zutrauen.“

Gibt es „gute“ Strafen?

„Es gibt keine Erziehung ohne Konsequenzen“, legte die Erziehungswissenschaftlerin dar. „Wir müssen möglichst früh konsequent, aber gewaltfrei erziehen“, so Stamm, die auch den umstrittenen Begriff „Strafen“ diskutierte. Es brauche gerechte, ,gute‘ Strafen, um konsequent sein zu können. „Gerecht sind Strafen dann, wenn sie sich nach dem Vergehen richten, wenn sie frei von körperlicher oder seelischer Gewalt z. B. in Form von Liebesentzug sind und das Kind die Regeln kennt.“

Was macht nun eine gute Erziehung aus?

Ein bisschen weniger Sorge und ein wenig mehr Vertrauen, Herzenswärme und Zärtlichkeit, die Förderung von Autonomie und Abenteuerlust, das Setzen von Grenzen und konsequent sein. Diese „autoritativen Eltern“ sind nicht perfekt, aber sie können in den Spiegel schauen und hören auf ihre Intention. So einfach wär’s.

Autorin:

Weitere Infos: www.margritstamm.ch

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